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Dr. Peter Luckner

Berufliche Themen

Arbeitsumweltgestaltung

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Mein Berufsleben ist gekennzeichnet von glücklichen Umständen.

Weil mir der Erwerb der mittleren Reife oder gar des Abiturs verwehrt blieben lernte ich Betriebsschlosser. Nach der Lehre ging ich für anderthalb Jahre als freiwilliger Rekrut in die Nationale Volksarmee. Während dieser Zeit besuchte ich die Volkshochschule und erwarb die Fachschulreife. Danach wurde ich nach drei jährigem Studium  Ingenieur für Werkzeugmaschinenbau. Meine Anstellung im Werkzeugmaschinenwerk Bad Düben begann mit der Arbeit als Technologe; ich wurde für den Musterbau einer neu entwickelten Maschine verantwortlich gemacht. Danach wurde ich Abteilungsleiter für Organisation und Datenverarbeitung und später Hauptabteilungsleiter. Parallel erkundigte ich mich nach weiteren Studienmöglichkeiten. Der Musterbau hatte mein Interesse für Formgestaltung geweckt. Ich erhielt einen Studienplatz an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein; das Fernstudium war im gleichen Jahr eingerichtet worden. Meine Diplomarbeit war die erste Arbeitsumweltgestaltung an der Burg. Das war 1970. In diesem Jahr begann ich ein weiteres berufsbegleitendes Studium, den Erwerb des Fachhochschulingenieurs für elektronische Datenverarbeitung. Die Berufsarbeit erforderte diese Zusatzqualifikation; ich war für die Einführung der elektronischen Datenverarbeitung im Werkzeugmaschinenwerk verantwortlich. Gerade als ich dieses Studium absolviert hatte, warb mich Horst Oehlke an die Burg Giebichenstein ab. Das war 1973. An der Burg begann die Arbeit am Curriculum zur Ausbildung von Arbeitsumweltgestaltern. Als Erfahrungsfeld diente das  intersektionelle Projekt der Gestaltung des Fahrradwerkes Mifa Sangerhausen. Ich wurde Themenleiter Produktionsprozesse. Das machte Sinn, da mir als Technologe die Kompetenz eignete, mit den Technologischen Projekttanten in den notwendigen Dialog  zu kommen. Anschließend  wurde durch Dieter Franz (Bau-Raum), Peter Luckner (Prozess und Arbeitsplatz), Wolfgang Geißler (Verwaltungs- und Pausengestaltung) und Walter Uhlig (Farbe) ein Lehrbeispiel als Grundlage der Einrichtung eines neuen Fachbereiches erarbeitet, das Curriculum erstellt und die Ausbildung in dem Fachbereich Arbeitsumweltgestaltung  begonnen. Es wurden bis zum Aufgehen der DDR in die Bundesrepublik etwa 60 derartig spezialisierte Gestalter ausgebildet. 1991 wurde diese Ausbildung aufgegeben. Der arbeitsinhaltliche Utopismus, der der Burg-Arbeitsumweltgestaltung zugrunde lag, war nicht zu halten. Reste erhielten sich im neuangelegten Bereich Innenarchitektur als Ausbaugestaltung und in einen Projektfall als Farb- und Arbeitskleidungsgestaltung für BMW Leipzig. Für mich ergab sich ein fulminantes Finale. Ich konnte ein  Tripelprojekt, übrigens durch die Vermittlung meines Kollegen Udo Klitzke von der IG Metall) organisieren. Es bestand in der Gestaltung eines Verdichters für Haushaltsabfälle durch Uta Polster. Hier hatte ich übrigens das außergewöhnliche Vergnügen, mit Peter Raacke zusammenarbeiten zu können. Die zweite Arbeit bestand in der Gestaltung des Fertigungsprozesses dieses Aggregats in Welger-Maschinenbau Wolfenbüttel (Jörg Vater) und die dritte in der Gestaltung der bau-räumlichen Bedingungen des Einsatzes des Aggregats im Recyclinghof Erfurt (Britta Redlich).

Symptomatisch für die Entwicklung der Arbeitsumwelt ist die Entwicklung des technologischen Prinzips, das sowohl Produktivität wie Arbeitszufriedenheit der Werktätigen bzw. Arbeitnehmer gewährleisten sollte. Dieses kennzeichnende Fertigungsprinzip war 1970 die Linienfertigung und 1990 die Nestfertigung( im Osten) bzw. die Inselfertigung (im Westen). Die Organisationsprinzipien waren identisch. In den Achtzigerjahren Jahren befassten wir uns in Lehre und Projektstudium mit der Gestaltung von Fertigungsnestern in Zusammenarbeit mit der Zwickauer Ingenieurhochschule. Die Gestaltung des Fertigungsnestes für die Fertigung von Waschmaschinen  (Monsator Schwarzenberg) war wohl das am besten gelungene Beispiel der Umsetzung von arbeitsökonomischen, arbeitsinhaltlichen und arbeitsästhetischen Prämissen. Es wurde auf der X. Kunstausstellung der DDR und auf der RGW-Ausstellung 1988 in Moskau gezeigt.

In einem kleinen Exkurs zum „determinierten“ Teil meines Lebens will ich Kollegen und Freunde in Wort und Bild zur Sprache kommen lassen.


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